Igel in einem naturnahen Garten. 

Wo sie sich wohlfühlen, bleiben sie und überwintern auch.

 



Aber Vorsicht: Ein Hund im Garten stöbert den Igel auf und stresst ihn – manchmal zu Tode.


Text: Wolfgang Bläsing

Fotos: Dr. Beate Buer-Weber

Fachliche Beratung: Dr. Friedrich Buer

 

Der Tierschutzverein informiert:

 

Lasst die Igel in Ruhe!

 

 

Jedes Jahr, wenn es herbstlich kühl wird, sieht man sie wieder häufig: die eigentlich nachtaktiven, stachelbewehrten, kleinen Allesfresser laufen jetzt auch öfters tagsüber herum. Sie müssen sich bis Beginn der Dauerfrostperiode eine ausreichende Fettschicht für den Winterschlaf anfressen.

 

Jedes Jahr aber werden auch unzählige vermeintlich hilflose, kranke oder zu kleine Igel von überfürsorglichen Tierfreunden aufgesammelt und mit nach Hause genommen oder ins Tierheim gebracht.

 

Bitte nicht!

 

Igel gibt es seit rund vierzig Millionen Jahren. Sie haben also die bei weitem längste Zeit ihrer Existenz auf diesem Planeten keine menschliche Hilfe benötigt – und sie überleben sogar heute trotz des Menschen, seiner Pestizide und Autos, die Igel töten.

 

Was wir bedenken müssen: Igel sind Wildtiere und obendrein eine geschützte Tierart. Wer einen Igel aus seinem natürlichen Lebensraum entfernt und mitnimmt, macht sich strafbar. Igel haben ihren eigenen „Speiseplan“: Sie ernähren sich von Insekten, Larven, Würmern, Schnecken, Obst und Aas. Viele vermeintliche Igelfreunde verabreichen ihrem mitgenommenen Igel aber ungeeignetes Futter. Die Folgen sind oft verheerende Durchfälle. Und damit erreichen wir genau das Gegenteil von unseren guten Absichten. Im schlimmsten Fall stirbt der Igel in unserer Obhut. Ohne solide Fachkenntnis kann niemand einen Igel erfolgreich überwintern und sollte unbedingt die Hände davon lassen.

 

Übrigens: Igel sind häufig stark von Ungeziefer befallen – Flöhen und Zecken – und verwurmt. Aber auch mit Würmern, Flöhen, Bakterien und Viren leben Igel schon immer. Für die Überwinterung im Haus müssen sie jedoch entwurmt und entfloht werden. Und das Wichtigste: Durch die Mitnahme des Igels nach Hause bringen wir ihn um seinen Winterschlaf. Er muss also monatelang intensiv gefüttert und gepflegt werden. 

 

Selbst wenn wir unseren Igel mit großem Aufwand gut durch den Winter bringen – wohin mit ihm im Frühjahr? Unbedingt dort wieder aussetzen, wo wir ihn gefunden und mitgenommen haben! Igel sind stark territorial geprägt. Ihr Revier verteidigen sie gegen andere Igel, dort fressen sie, paaren sich, ziehen ihre Jungen groß und verkriechen sich zum nächsten Winterschlaf. Setzen wir unseren Pflege-Igel irgendwo anders aus, stößt er überall auf die Abwehr der dort lebenden Igel, gerät unter Dauerstress und geht schließlich zugrunde. Eine Regel besagt: Die Igel, die wir im Herbst „retten“, sterben im Frühjahr.

 

Wir können den Igeln wirksam helfen!

 

Igel sind Kulturfolger, kommen also auch sehr gern in unsere Gärten, wenn diese einigermaßen naturnah sind. Wir können den Igel zum Winterschlaf in unserem Garten einladen, indem wir ihm an einer ruhigen (!) Stelle einen großen Laubhaufen, abgedeckt mit Reisig und Zweigen, möglichst wind- und regengeschützt anbieten. Gefällt es ihm dort, so wird er sich unter diesem Haufen zum Winterschlaf verkriechen.

Allerdings Vorsicht: Hunde sind oft des Igels Tod.

 

 

Fazit: Auch wenn wir glauben, ein Igel, den wir finden, sei zu klein, um den Winter zu überleben, sollten wir ihn in Ruhe lassen. Auch Igel unter 500 Gramm fressen sich zumeist noch rechtzeitig für den Winterschlaf genügend Fettreserven an. Lediglich Igel, die bei Dauerfrost und geschlossener Schneedecke noch herumlaufen, sind hilfsbedürftig. Dann aber gehören sie in die Hände von Fachleuten, die das Richtige tun!



Auslandstierschutz – warum?

 

Immer wieder wird kritisch hinterfragt, warum eigentlich deutsche Tierschutz-Organisationen Straßenhunde aus dem Ausland holen. Haben wir selbst nicht genügend Tierschutzprobleme? Müssen wir die ganze Welt retten wollen?

 

Gleich vorab: Nicht alles, was sich in der Tierschutzszene bewegt, ist seriös, erst recht nicht im so genannten Auslandstierschutz. Generell gilt: Je emotionaler und schriller eine Organisation das Mitleid des Tierfreundes anspricht, desto mehr Vorsicht ist angesagt.

 

Nun zu den Fakten: Straßenhunde gibt es in allen ost- und südeuropäischen Ländern sowie in großen Teilen Asiens. Sie sind Nachkommen ehemaliger Haus- und Hofhunde. Heimat- und herrenlos versuchen sie zu überleben. Zu einer Gefahr für den Menschen werden sie so gut wie nie.

 

Wie gut – oder wie schlecht – geht es den Streunerhunden? In Bulgarien und Rumänien, zum Beispiel, gehören sie zum Straßenbild. Während Straßenhunde in Bulgarien jedoch weitgehend unbehelligt leben, sind sie in den Städten Rumäniens grausamer Verfolgung ausgesetzt.

 

Was passiert in Rumänien?

 

Seit 17 Jahren betreibt die Tierhilfe Hoffnung e.V. bei Pitesti /Rumänien das Tierheim Smeura, das in großem Umfang Kastrations- und Impfprogramme an Straßenhunden durchführt. Die betreffenden Hunde wurden ursprünglich an ihren angestammten Futterplätzen wieder ausgesetzt und medizinisch überwacht. Mit gezielter, flächendeckender Kastration der Straßenhunde hätte das Problem bald auf humane Weise gelöst sein können.

 

Was aber passiert neuerdings in Rumänien? Nachdem seit drei Jahren die Kommunalbehörden zur Ausrottung der Straßenhunde in eigener Regie ermächtigt sind, hat in rumänischen Städten ein Massaker eingesetzt. Ein enthemmter Mob schlägt auf der Straße Hunde tot, verbrennt oder begräbt sie lebend. Lachende Kinder stehen neben verstümmelten Hundeleichen. Brutale städtische Hundefänger-Kommandos fangen alle Hunde ein und bringen sie in Tötungsstationen, eben auch alle diejenigen Hunde, die schon von Tierheim-Veterinären kastriert und gechippt wurden. In den Tötungsanstalten wird dilettantisch und grausam getötet. Den meisten Hunden wird Naphthalin ins Herz gespritzt, oder auch einfach Luft in die Venen. Sie sterben unter schlimmen Qualen.

 

Die städtische Tötungsstation von Pitesti liegt genau gegenüber der Smeura. Bürgermeister Tudor Pendiuc erpresst die Tierheimleitung der Smeura: Entweder ihr übernehmt alle Hunde – auch eure bereits kastrierten und geimpften – oder ihr seht zu, wie getötet wird. Binnen zweier Jahre ist die Belegung der Smeura von 3800 auf 5300 Hunde angewachsen. Mindestens zweieinhalb Tonnen Hundefutter werden täglich benötigt, um sie alle zu ernähren. Viele von ihnen sind krank und beeinträchtigt als Folge von Verkehrsunfällen, Vergiftungen und Misshandlungen.

 

Das ist die Situation der Straßenhunde in Rumänien heute. Gibt es in einem solchen Land noch Hoffnung für die verfolgte Kreatur?

 

Es gibt ein Licht der Hoffnung!

 

Es gibt auch in Rumänien Menschen, die dem Hundemassaker nicht tatenlos zusehen und sich dagegen organisieren.

Wissen Sie, wie die Zeitschrift der Tierhilfe Hoffnung heißt? – „Das kleine Licht“. Der Name sagt alles aus: Solange dieses Licht brennt, ist der Kampf nicht verloren. Eine stetig wachsende Zahl rumänischer Tierschützer steht für diese Hoffnung. Sie gehen in Schulen und klären auf, damit wenigstens die Kinder mit einem Umdenken in Sachen Tierschutz beginnen.

 

Eines allerdings ist klar: Ohne finanzielle Unterstützung von außen erlischt diese Hoffnung über Nacht.

 

Das politische Europa freilich ignoriert das Problem. Da ist es wichtiger, wie krumm Gurken sein dürfen.

 

Nein – wir können die Welt nicht retten.

Aber wenn durch unsere konkrete Hilfe auch nur ein paar Straßenhunde in Sicherheit gebracht werden, so haben wir wenigstens einen in unseren Kräften stehenden Beitrag geleistet, das kleine Licht der Hoffnung und der Menschlichkeit am Brennen zu erhalten.

 

Deshalb unterstützen wir, das Tierheim Unternesselbach, unser Partnertierheim Smeura, indem wir Hunde von dort an deutsche Tierfreunde vermitteln. Und wir bitten Sie herzlich darum, uns dabei auch in Zukunft nicht allein zu lassen.